Chronik SPD Zusenhofen

Chronik

Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)
Ortsverein Zusenhofen

Willy Fieß, Karl Ebert

Der Ortsverein der Sozialdemokraten ist die älteste politische Organisation in Zusenhofen und kann im Jahr 2002 sein 80- jähriges Bestehen feiern. Die Vorgeschichte dieses Ortsvereins reicht allerdings weit ins vorige Jahrhundert zurück. So kann bereits zur Zeit der Badischen Revolution von 1848 in Zusenhofen als einzigem Dorf der Umgebung ein Volksverein nachgewiesen werden, der sich massiv für Freiheit und Demokratie einsetzte. Das Stammlokal war, „Baumanns Bierstube”, heute bekannt als, Huseppe- Haus” oder auch der „alte Hirsch” an der Fußgänger- Ampel bei der Stangenbach- Brücke. Als dieses Lokal von der großherzoglichen Verwaltung zur Strafe geschlossen wurde, nahm der Wirt den Stammtisch in den heutigen Hirsch mit. Er wurde zum Symbol des Stammlokals der Sozialdemokraten, dessen Wirte aus der Familie Baumann lange Zeit sozialdemokratisch orientiert waren und teilweise sogar auf SPD- Listen kandidierten.

Seit 1878 kandidierten Sozialdemokraten bei Wahlen auf regionaler und nationaler Ebene. Auf Ortsebene gab es noch keine Parteiorganisationen. Mit dem Ende des Ersten Weltkriegs, der das Versagen der alten Machteliten aufzeigte, nahm die Sozialdemokratie auch in Zusenhofen einen starken Aufschwung. Bald sprach man vom „roten Zusenhofen“, was allerdings eher relativ zur „rabenschwarzen“ Umgebung zu sehen ist.

Von 14 Stimmen (10 %) bei der Reichstagswahl im Jahr 1912 stieg der Zuspruch auf 130 Stimmen (42 %) im Januar 1919 bei der Wahl zur deutschen Nationalversammlung. Dies ermutigte auch zur Aufstellung der ersten sozialdemokratischen Liste für die Gemeinderatswahl am 4. Juni 1919, bei der es der SPD auf Anhieb gelang, 44 % und die Hälfte der 6 Gemeinderatssitze zu erringen. Die ersten Sozialdemokraten in Zusenhofen waren folgende 6 Kandidaten:

1. Grimmig Sebastian Landwirt
2. Wurth Anton Wagnermeister
3. Koch Franz Landwirt
4. Feger Valentin II Landwirt
5. Ruf Franz Schreinermeister
6. Weinzierle Franz Modellschreiner

Zur Unterstützung der Wahlvorschlagsliste unterschrieben:

Adolf Heitzmann, Hermann Ernst, Franz Just, Karl Baumann, Theodor Baumann und Joseph Meier.

Die ersten gewählten SPD – Gemeinderäte waren Sebastian GrimmigII, Franz Koch und Anton Wurth. Ein derartiges Spitzenergebnis, konnte in den späteren Jahren nur noch vereinzelt in Bürgermeisterwahlen erreicht werden, die Ergebnisse pendelten je nach politischer Großwetterlage zwischen einem Fünftel und fast der hälfte der Wählerschaft.

Im März 1922 kam es schließlich zur Gründung des Ortsvereins der “Sozialdemokratischen Partei Badens”, der auch die Nachbarorte Nußbach, Stadelhofen und Erlach betreute. Als l. Vorsitzender wurde Hermann Ernst gewählt, der mit seiner Persönlichkeit einen starken prägenden Einfluss auf das Ortsgeschehen hatte. Bereits im Frühjahr 1924 zählte der Verein 42 Mitglieder und war damit einer der stärksten Ortsvereine auf dem flachen Land. Dies verschlechterte sich allerdings wieder in Folge der Wirtschaftskrise und der vielen Auswanderungen. Im 6- köpfigen Gemeinderat blieb der SPD- Ortsverein bis 1933 vertreten.

Nach der Beseitigung der Demokratie durch die Nationalsozialisten mussten auch die beiden SPD- Vertreter Andreas Benz und Hermann Ernst im Gemeinderat die Konsequenzen ziehen. Ihr Rücktrittsschreiben vom 28. März 1933 an das Bürgermeisteramt Zusenhofen umfasste nur einen einzigen Satz: ”Um den jetzigen politischen Verhältnissen Rechnung zu tragen, treten wir vom Amt des Gemeinderats zurück. ” Während der Nazi- Zeit kam die Parteiarbeit nahezu vollständig zum Erliegen. Alle Dokumente wurden vernichtet um die eigenen Mitglieder nicht zu gefährden. Andreas Benz vermerkte in einer Niederschrift von 1962, dass die Funktionäre der SPD in dieser Zeit „viele Schikanen, Hausdurchsuchungen und anderes mehr” zu bestehen hatten.

Nach dem Einmarsch der Franzosen im April 1945 stellten sich auch die Sozialdemokraten der schweren Verantwortung und schickten mit Theodor Baumann, Wilhelm Vogt und Hermann Ernst ihre Vertreter in die kommissarische Gemeinderatsarbeit. Als im Jahr 1946 wieder politische Parteien durch die Besatzungsmacht zugelassen wurden, kam es zur Neugründung unter dem vorläufigen Namen „Sozialistische Partei Badens”. Mit Hermann Ernst wurde der ehemalige wieder zum neuen 1. Vorsitzenden gewählt. Auf der ersten Liste für die Gemeinderatswahl am 15. September 1946 kandidierten folgende Parteimitglieder:

Hermann Ernst, Theodor Baumann, Wilhelm Bott,Wilhelm Vogt, Franz Männle, Franz Scheibel

Seit der Gründung der Bundesrepublik trägt auch der Ortsverein Zusenhofen wieder seinen traditionellen Namen ”Sozialdemokratische Partei Deutschlands.”

Nach Hermann Ernst übernahm Andreas Benz im Jahr 1953 den 1 Vorsitz des Ortsvereins. Mit ihm stellte die SPD zeitweise auch den Stellvertretenden Bürgermeister1968 erhielt Hermann Ernst für seine Verdienste und 50- jährige Mitgliedschaft in der Partei von Willy Brandt das goldene Parteiabzeichen, die höchst mögliche Ehrung. Im Jahr 1969 übernahm Franz Scheibel die Leitung des Ortsvereins, bis l985 Wolfgang Lacherbauer aus Nußbach das Amt übernahm. Nachdem Karl Ebert ab 1993 den Vorsitz innehatte, kehrte Wolfgang Lacherbauer 1996 erneut in das Amt zurück, das er bis heute wahrnimmt.

Die Wahlergebnisse in der Nachkriegszeit waren je nach der politischen Großwetterlage und den Kandidaten durchaus unterschiedlich. Die Ergebnisse pendelten etwa im Bereich von 20 bis 40 Prozent. Besonders hervor sticht jedoch das Ergebnis des SPD- Bürgermeister- Kandidaten Leibinger, der sich in Zusenhofen gegenüber Willi Stächele (CDU) im Jahr 1981 mit der absoluten Mehrheit von 56 Prozent durchsetzte. Das war das höchste Ergebnis der Geschichte des Ortsvereins.

In den Gemeinderat bzw. Ortschaftsrat. wurden folgende Vertreter der SPD gewählt:

Liste der SPD- Gemeinderäte bzw. Ortschaftsräte: 1919 – 2002
(1933 – 1945: Verbot und Verfolgung

Grimmig II Sebastian 1912- 22 Baumann Theodor 1945- 1946
Koch Franz 1919- 22 Vogt Wilhelm 1945- 1949
Wurth Anton 1919- 22 Ernst Hermann 1946- 1962
Ernst Hermann 1922- 33 Ruf Erich 1959- 1965
Benz Andreas 1926- 33 Scheibel Franz 1962- 1980
Vogt Norbert 1971- 1975
Thal Christian 1975- 1989
Benz Kurt 1980- 1994
Fieß Willi 1984- 2004
Ebert Karl 1994- 2004
Fischer Petra 2004- heute

Für die langjährige Treue zur Partei konnten folgende Sozialdemokraten geehrt werden

50 Jahre Hermann Ernst(Goldene Ehrennadel)
40 Jahre Franz Scheibel (Goldene Ehrennadel) Ludwig Ebert, Willi Fieß, Karl Mössinger, Paul Ruch.
35 Jahre Alfons Klemenz, Günter Ernst, Helmut Fischer.
30 Jahre Karl Ebert, Otto Huber, Christian Thal
25 Jahre Wolfgang Lacherbauer, Franz Müller, Franz Leible

Gegenwärtig stellt der Ortsverein mit Petra Fischer ein Vertreter im Ortschaftsrat. Petra Fischer ist erste stellvertretende Ortsvorsteherin. 2010 legt Petra Fischer ihr Amt als stellv. Ortsvorsteherin nieder.